Das Zentrum Hans Jonas Forschung + Lehre Dietrich Boehler Bibliothek Publikationen Werk Kontakt

Menu
|
Handle so, daß die Wirkungen deiner Handlungen 
verträglich sind mit der Permanenz 
echten menschlichen Lebens auf Erden
 

Hans Jonas-Zentrum Berlin g.e.V.

www.Hans-Jonas-Zentrum.de

www.Hans-Jonas-Zentrum.de
spacer

Kleine sprechende Studienbibliothek

Eine Einladung an Sie ...

spacer
Bibliothek

Liebe Mitstudierende an dieser Bibliothek,
liebe Dialogpartnerinnen und Dialogpartner,

Prof. Dr. Dietrich Böhleerlauben Sie mir diese Anrede; denn ich möchte Sie einladen, gemeinsam in dieser wie auch an dieser kleinen Bibliothek des Zukunftsdialogs zu arbeiten und hier miteinander zu diskutieren. Sie bietet einen öffentlichen Orientierungs- und Dialogort, dessen beständiger Kern eine übersichtlich exemplarische, fachübergreifend nach Fragestellungen und problemgeschichtlichen Zusammenhängen erschlossene Sammlung von Büchern, Zeitschriften, Sonderdrucken und Kopien ist. Als Sprechende Bibliothek mit vielen Erläuterungen und Querverweisen bietet sie sich als Ihr Gesprächspartner an - vor allem im Blick auf jene Fragen, die sich erstmals in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stellen, aber noch keineswegs begriffen sind und die Menschheit fortan als dürstere Problemschatten begleiten werden. Ich meine die Fragen der Zukunftsverantwortung. Sie treiben heute viele zum Philosophieren und ins interdisziplinäre Gespräch. So war es auch mit mir, und so bin ich auch Denkern begegnet, die davon umgetrieben waren: Hans Jonas und Karl-Otto Apel. So haben Apel und ich mit dem "Funkkolleg Praktische Philosophie/Ethik" 1980 und 1981 eine verantwortungsfähige Ethik der dialogbezogenen Praktischen Vernunft entworfen. Hans Jonas hat 1979 das epochemachende Werk "Das Prinzip Verantwortung - Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation" veröffentlicht., Ihm selbst und dem Dialog mit ihm ist die Bibliothek gewidmet. Daher steht das vielfältige, zumindest fünffältige Problem der Zukunftsverantwortung im Mittelpunkt:

Gibt es ein verbindliches Prinzip, einen kategorischen Imperativ, demgemäß wir zur Mitverantwortung für die Menschheitszukunft verpflichtet sind?

Wie müssen Technologien, wirtschaftliche, politische und rechtliche Maßnahmen und wie muß unsere Alltagspraxis beschaffen sein, wenn wir dafür sorgen wollen, daß künftige Generationen ihre verantwortbaren Lebensinteressen wahrnehmen können, daß künftige Generationen die kulturellen Rahmenbedingungen und ökologischen Voraussetzungen vorfinden, um ihrerseits Zukunftsverantwortung wahrzunehmen?

Wie können Wissenschaften aber auch Philosophie ihrer direkten oder indirekten Mitverantwortlichkeit für menschheitsgefährdende und naturgefährdende Nebenfolgen von Forschung bzw. Technologie innerhalb der Forschung, der Wissenschaftstheorie und Philosophie Rechnung tragen - also verantwortliche Forschung und Philosophie werden? Wie können wir alle, Mitglieder der technologischen Gefahrenzivilisation und einer globalisierten Marktgesellschaft, unsere Mitverantwortung begreifen und wie ihr praktisch gerecht werden?

Dieses noch vielfach ignorierte Doppelproblem der Zukunftsverantwortung, welches das 20. Jahrhundert dem dritten Jahrtausend post Christum natum aufgibt, ist nicht das einzige aber das zentrale Thema dieser Bibliothek. Stellt sie doch eine Verbindung jener Wissenschaften, Praxisfelder und Forschungszusammenhänge her, die von hohem Belang für die Erarbeitung differenzierter Lösungen Antworten auf die Frage sind, wie Verantwortung für eine moralfähige und lebenswerte Menschheitszukunft wahrgenommen werden kann. Uns darüber kundig zu machen, mündige Partner im Zukunftsdialog zu werden, sich am Dialog einer neuen Ethik mit den Wissenschaften und Technologien, mit Wirtschaft und Politik zu beteiligen – sind das nicht die vordringlichsten und menschenwürdigsten – Perspektiven einer Zeitgenossenschaft auf der Höhe der Zeit? Zumal dazu lädt die Kleine Sprechende Bibliothek des Hans Jonas-Zentrums ein. Daher habe ich, über der Neubearbeitung des "Bibliotheksschlüssels" und damit dessen zweiter Auflage brütend, vorgeschlagen, sie sprechende Zukunftsbibliothek zu nennen und ihr als Kennwort zwei Begriffe voranzustellen, deren Spannungsbogen das Denkleben von Hans Jonas umgreift* und meinem Leitmotiv bei der Arbeit an dieser Bibliothek entspricht. Spannt sie doch den Bogen von den Humaniora, etwa hermeneutischen, juridischen und pädagogischen Studien über das Selbstverständnis des Menschen in seiner Bildungs-Geschichte und im Blick auf die Kulturquellen Europas - Jerusalem, Athen und Rom - hin zu Naturwissenschaften, Medizin und Wirtschaftswissenschaften, welche vor allem mit Blick auf die Zukunftsprobleme als Herausforderung unserer Verantwortung vorgestellt werden. Gleichsam als Losungswort möchte ich daher über die Bibliothek die beiden Begriffe setzen:

Humanismus und Verantwortung.

Gewachsen zumal aus Teilen meiner Privatbibliothek, einer Nachlaßspende und finanziellen Unterstützungen von Mrs. Eleonore Jonas, New Rochelle (New York), Spenden von Gönnern wie Professores Gert König, Bochum, und Gunnar Skirbekk, Bergen, dient sie vor allem folgenden Zwecken:

  • allen interessierten Zeitgenossinen und Zeitgenossen, nicht zuletzt Verantwortungsträgern und solchen, die es werden können, will die Sprechende Zukunftsbibliothek helfen, die politisch-ethischen Herausforderungen der technologisch-ökologischen Gefahrenzivilisation zu erkunden und zu deren Klärung beizutragen; in diesem Sinne will sie ihnen bei der Beurteilung und Lösung ethischer Probleme in den Verantwortungszusammenhängen von Wirtschaft und Technik, Politik und Medizin Orientierungshilfe leisten, damit öffentlicher Erkenntnisfortschritt und ethischer Handlungsfortschritt angestoßen werden;
  • den Philosophiestudenten, die heute mehr denn je fachübergreifend studieren und arbeiten müssen, soll die Bibliothek dazu Anleitung und darüber hinaus eine argumentative Orientierung geben, indem sie in die dringendsten ethischen, politisch-ethischen, wirtschaftsethischen und medizinethischen Probleme unserer Zeit einführt;
  • Studenten, Doktoranden und Habilitanden aus Naturwissenschaften und Medizin, Rechtswissenschaften, Wirtschafts- und anderen Sozialwissenschaften will die Bibliothek problemorientierte sowie begriffliche Querzugänge zur Philosophie eröffnen, um dadurch fachübergreifende bzw. transdisziplinäre Diskurse und Problemlösungen zu fördern.

Eine sprechende Bibliothek wird die unsere in dem Maße, wie Sie nicht etwa nach dem einen oder anderen bestimmten Buch suchen, was Sie mit größerem Erfolg in einer Instituts-, Universitäts- oder anderen öffentlichen Bibliothek tun, sondern wenn Sie den Bibliotheksschlüssel zu Rate ziehen. Treten Sie bitte gleichsam in einen Dialog ein, dessen Partner einerseits Sie selbst und andererseits die Ratschläge und Fragestellungen, die Begriffe und Erläuterungen wie auch die Querverweise des Bibliotheksschlüssels sind. (Nur für die verschiedenen Zeitschriften, deren Artikel wir nicht aufschlüsseln und erfassen können, nützt Ihnen der Schlüssel wenig.)

Zu Ihrer Orientierung und zum Dialog untereinander finden

  • regelmäßig kurze Einführungen statt,
  • unregelmäßig auch Bibliothekscolloquien und öffentliche Leseabende, für die wir Sie um Vorschläge und eigene Beiträge bitten.

Überdies stehen die öffentlichen Veranstaltungen des Hans Jonas-Zentrums, die Vorlesungen und Seminare des Lehrstuhls Praktische Philosophie/Ethik wie auch die Angebote der Forschungsgruppen "Ethik und Wirtschaft im Dialog" sowie "Ethik und Medizin im Dialog" in engem Zusammenhang mit der exemplarischen Bibliothek.

Ihrer Orientierung wollen zugleich die folgenden Hinweise zu >Idee und Aufbau< dienen. Sie enthalten auch Formulierungen von Geltungskriterien, die auf den ersten Blick nicht ganz leicht verständlich sind, sich aber erschließen beim Dialogisieren und bei der Reflexion auf die eigene Dialogrolle (z.B.: "...ich behaupte gegenüber Anderen, daß..."). Auf diese Weise angeeignet, können sie Ihnen sinnkritischer Maßstab und wichtige Urteilshilfe sein.

Vielfach aus meinen eigenen Lese- und Denkerfahrungen erwachsen, oft übersät mit Lesezeichen und Glossen, beigefügten Notizblättern und Zeitungsartikeln, haben Teile dieser Bibliothek einen persönlichen Charakter, der Sie hoffentlich nicht stört. Herausflatternde Beilagen, bitte ich, mit der Signatur des dazugehörigen Buches zu versehen und diesem wieder beizufügen oder in eine Folie bzw. kleine Mappe zu stecken und uns abzugeben.

Ein Besucher, der mich im Chaos der Bibliotheksarbeit erwischt und sich in den vorläufigen "Schlüssel" vertieft hatte, meinte nicht ohne Skepsis: "ein unkonventioneller, riskanter Versuch, in den Sie offenbar viel Zeit, Denkarbeit und Organisationsmühe investieren". Wie dem auch sei; das Ganze ist ein Mosaik und auf die Pflege, die Mitarbeit und die materielle Förderung auch derer, die Anregung und Nutzen daraus ziehen wollen, angewiesen. Es ist ein zerbrechliches Mosaik im Werden, das durch unachtsame Wiedereinstellung oder gar durch eine einzelne Entwendung bedroht und als Sinnzusammenhang gefährdet ist. Bitte nutzen, schützen und pflegen Sie es. Auch Spenden zur Erweiterung sind sehr erwünscht...

Ich grüße Sie freundlich und heiße Sie willkommen als Benutzer und Partner an diesem offenen Studien- und Dialogort in memoriam Hans Jonas. Zugleich lade ich Sie ein, Mitglied des Freundeskreises des Hans Jonas-Zentrums e.V. zu werden und unser Engagement für den Zukunftsdialog auch durch einen Jahresbeitrag (von 80,- DM oder mehr - für Studenten und Arbeitslose nur 25,- DM) zu fördern.

Ihr

spacer
Eine Einladung
an Sie
Idee und Aufbau

 

    zum Anfang der Seite Anfang
© 2001 Hans Jonas-Zentrum Berlin