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Kuratorium Hans Jonas-Edition

Mrs. Eleonore Jonas, Staatsministerin a.D. Dr. Dr. h.c. Hildegard Hamm-Brücher, EKD Ratsvorsitzender Bischof Dr. Wolfgang Huber, Bischof Dr. Karl Kardinal Lehmann, die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, Ministerpräsident a. D. Dr. h.c. Erwin Teufel

Gründungsmitglieder:
Bundespräsident a.D. Dr. h.c. Johannes Rau †, Dr. h.c. Paul Spiegel sel. A.

www.Hans-Jonas-Zentrum.de

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Zu Werk und Person von Hans Jonas
– Beilage zum Aufruf des Kuratoriums

Das vielfältige Erbe des Philosophen Hans Jonas als Zukunftsauftrag

In seinem Beitrag zur Mönchengladbacher Jonas-Biographie[*] hebt Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt hervor, daß Hans Jonas' Prinzip Verantwortung von uns allen eine Pflicht zur engagierten Mitverantwortung nicht nur für die gegenwärtigen sondern auch für die zukünftigen Generationen fordert:

"Hans Jonas hat in seinem Buch ‚Das Prinzip Verantwortung' einen Imperativ in den Mittelpunkt gestellt, der [...] für jeden Menschen und sein Handeln von grundlegender Bedeutung sein sollte. Nur wer sich bei seinen Entscheidungen der Verantwortung gegen sich selbst, gegenüber seinen Mitmenschen und seinem gesamten Umfeld bewußt ist und wer versucht, verantwortlich zu handeln, nur der kann für sein Tun geradestehen - wie auch immer und in welchem Bereich auch immer es sich konkret gestaltet.

Jonas selbst hat betont, daß er mit seinem Prinzip Verantwortung anknüpft an den Kategorischen Imperativ Kants, der sich als ‚goldene Regel' in den meisten Religionen der Welt findet. Jonas versucht, Kant aus der Gegenwartsperspektive in die Zukunft zu verlängern. Die Menschen sollen so handeln, daß sie vor der Zukunft und damit auch vor dem zukünftigen Lebensraum der Menschen bestehen können."

In ihrer Laudatio anläßlich der Verleihung des Ersten Marion-Dönhoff-Preises[**] stellt Staatsministerin a.D. Dr. Hildegard Hamm-Brücher heraus, daß das Prinzip Verantwortung für das Denken und Handeln in der hochtechnologischen Zivilisation wegweisend sei:

"Das Prinzip Verantwortung (...) wurde in den 70er Jahren von dem jüdisch-deutsch-amerikanischen Philosophen Hans Jonas vorgedacht und von ihm sinngemäß wie folgt resümiert. Zum einen erfordere es das weltweite Lautwerden sachlicher Einsicht und Vernunft in die Gefahren technologischer Entwicklungen ... und den nachhaltigen Widerhall auf das öffentliche Bewußtsein, sowie die Konsequenzen im privaten und öffentlichen Verhalten. Zum anderen müsse das Prinzip Verantwortung von den Gefährdungen selbst her auf Abhilfe drängen: Der Schock wirklicher und wiederholter Katastrophen kleineren Ausmaßes (er bezeichnet sie als Schreckschüsse der gepeinigten Natur) muß uns den gehörigen Schrecken vor der großen Katastrophe einjagen, sie müssen uns bewußt machen, daß es diese technischen Ausschweifungen sind, die uns für alle Zukunft als Schatten bedrohen. ... Sich dieses Schattens bewußt werden und ihn nicht zu verdrängen, vielmehr die Stimme der Verantwortung nie und nimmer verstummen zu lassen, das ist es, was Jonas das Prinzip Verantwortung nennt, das, wenn es konsequent wahrgenommen wird, zum paradoxen Lichtblick der Hoffnung werden kann. Auf diese Karte möchte ich setzen! Mit diesen Worten schließt er seine Dankesrede anläßlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. (1987)

Auf diese Karte setzen und die Stimme der Verantwortung nicht verstummen lassen wollen, können wir das auch? Ich denke Ja, wenn wir das Prinzip Verantwortung als eine Art Wegweisung für eigenes Denken und Handeln verstehen und beherzigen."

In dem vom Hans Jonas-Zentrum veröffentlichten Aufsatz "'Also ist die Zukunft noch nicht entschieden' - das vielfältige Erbe des Philosophen Hans Jonas als Auftrag"[***] betont Dr. Karl Kardinal Lehmann, daß Hans Jonas dem modernen Menschen, dem Nutznießer der globalisierten technologischen Zivilisation, eindringliche Fragen stelle:

"Wie in einem Testament formuliert Hans Jonas: ‚Im Neudenken der Idee der Verantwortung und ihrer nie zuvor gedachten Ausdehnung auf das Verhalten der ganzen Gattung zur ganzen Natur tut die Philosophie einen ersten Schritt im Dienste einer solchen Verantwortung.' ‚Furcht und Zittern', bewußt greift er dieses biblische Motiv auf, müssen in das Erlebnis des Wissens eingehen. Das Denken muß Anstoß zum Handeln werden.

‚Aber sie (die Furcht) muß dabei auf der Hut vor sich selbst sein. Die Angst um den Menschen darf nicht zur Feindschaft gegen jene Quelle seiner Gefährdung, gegen Wissenschaft und Technik, verleiten. Sie muß zur Vorsicht im Gebrauch unserer Macht raten, nicht zur Absage an sie. Denn nur im Bunde mit Wissenschaft und Technik, die zur Menschheitssache gehören, kann die sittliche Vernunft dieser Sache dienen [...]. Doch zu jener Wachsamkeit anzuhalten ist des Denkens Pflicht.'

Es handelt sich um das große Abenteuer des Seins, das auf dem Spiel steht. ‚Ein solcher Glaube muß zu vielem, was wir tun, auch Nein sagen können. Aber er selbst ist ein umfassendes Ja. Dieses Ja ist es, das sich im ‚Prinzip Verantwortung' in die Sorge um die Zukunft übersetzt.'

‚Das Prinzip Verantwortung', 1979 mit dem Untertitel ‚Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation' erschienen, in viele Sprachen übersetzt, auch in Deutschland sehr oft nachgedruckt, hat Hans Jonas seinen Kindern gewidmet, damit der Zukunft unserer Welt. Es ist das erste Buch, das er nach der Zeit des Nationalsozialismus wieder ursprünglich und ganz in deutscher Sprache geschrieben hat. Es hat seinen späteren Ruhm begründet. Dabei war er schon 75 Jahre alt, als er es abschloß. Er hat zugleich die damit verbundenen Grundideen immer wieder an konkreten Exempeln, besonders an der Bioethik und der Gentechnologie, am Gehirntod und an vielen anderen Problemen erprobt. [...]

Richard v. Weizsäcker, Hans Jonas
Richard von Weizsäcker im Gespräch mit Hans Jonas während seines letzten Deutschlandbesuchs:
am 11. Juni 1992 in Berlin, wo ihm an der FU Berlin der Titel eines Doktors der Philosophie ehrenhalber verliehen wurde.

Das weltweit rezipierte Werk ‚Das Prinzip Verantwortung' führte zu vielen Ehrungen des Philosophen, u.a. zur Ehrendoktorwürde der Universität Konstanz und der Freien Universität Berlin, aber auch zur Ehrenbürgerwürde der Stadt Mönchengladbach und zum Empfang des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland (1987) durch Bundespräsident Dr. Richard von Weizsäcker. Im Kondolenzbrief an Frau Eleonore Jonas zum Tod des Philosophen schrieb der Bundespräsident, der Hans Jonas sehr hoch schätzte:

‚Mit seiner Philosophie hat Ihr Mann in entscheidendem Maß dazu beigetragen, die Schwelle von einer Beschreibung des Daseins zu einer Ethik des Verhaltens zu überschreiten. Er hat die Grundfragen unserer Zeit in erlösender Klarheit geschildert. Gegenüber der gesamten Natur hinterläßt er uns die Verantwortung der Gattung Mensch. ‚Daß sie sich Grenzen setzt', so mahnt er uns, ‚ist die erste Pflicht aller Freiheit.'"

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Patenschaft für die kritische Hans Jonas-Edition: Aufruf des Kuratoriums
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Lebens- stationen von Hans Jonas
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Editionsplan (pdf)

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Zeugen städtischer Vergangenheit: Hans Jonas, Mönchengladbach, 1. Aufl., 1997, S. 64. [zurück]

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"Über Barmherzige Samariter - heute und über das ‚Prinzip Verantwortung' als Bewährungsprobe für unsere Gesellschaft." DIE ZEIT, 29/2003. [zurück]

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Erschienen in: D. Böhler und J. P. Brune (Hrsg.), Orientierung und Verantwortung. Begegnungen und Auseinandersetzungen mit Hans Jonas. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2004, S. 161-184. [zurück]

 
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